Lernen mit und über digitale Medien

#4 Arbeitsphasen mit Oncoo gestalten

Im heutigen Beitrag wollen wir ein Tool zur Gestaltung von Arbeitsphasen im Detail betrachten, in denen die Teilnehmer sich austauschen sollen. Aus unserer Sicht ist es in diesem Zusammenhang  sehr wichtig dass, jeder seine eigenen Ideen formuliert und auch konkretisiert und nicht seine Ideen vom Sitznachbarn stammen.  Eine Arbeitsphase lebt in diesem Zusammenhang ja gerade vom Diskurs über die durchaus heterogenen Ansichten der Schülerinnen und Schüler bzw. der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.  Ein webbasiertes Tool, dass diese Anforderungen erfüllt ist Oncoo. Hierbei handelt es sich um ein am Studienseminar Osnabrück entwickeltes Tool, das einem fünf verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung der digitalen Lernprozesse in der Erarbeitungsphase bietet. Oncoo bietet ein sogenanntes Helfersystem, die Möglichkeit zu einem Lerntempo-Duett, ein Online-Placemat sowie eine Möglichkeit der Kartenabfrage und nicht zuletzt auch eine Evaluationstool in Form einer Zielscheibe.

Der Zugang zu Oncoo erfolgt online über die entsprechende Homepage, die man als Schülerin und Schüler bzw. als Teilnehmerin und Teilnehmer oder als  Lehrkraft bzw. Coach aufrufen kann. Im zweiten Fall hat man über die Sprechblase die Möglichkeit auch ein eigenes Konto anzulegen.

Helfersystem

Zunächst stellen wir das Helfersystem vor.  Bei der Aktivierung des Helfersystems durch den Lehrer besteht die Möglichkeit zur Vergabe eines Passwortes. Das Helfersystem stellt man seinen Schülerinnen und Schülern über einen QR-Code bereit. Dieses kann man z. B. über den Beamer machen.  Die Schüler melden sich dann an, in dem Sie einfach ihren Vornamen eingeben. Sie müssen sich nicht registrieren. Ab diesem Zeitpunkt gilt der Schüler als Arbeitender und wird so angezeigt. Der von der Lehrkraft gestellte Arbeitsauftrag lautet z.B. „Informiert euch über die wesentlichen Inhalte der DSGVO. Wenn ein Schüler fertig ist  klickt er den entsprechenden Button. So können während der Arbeitsphase sowohl die Schüler wie der Lehrer über die Beameransicht verfolgen wer noch arbeitet oder welcher Schüler schon fertig ist und als Helfer zur Verfügung steht und somit für Rückfragen angesprochen werden kann. Der Arbeitsprozess der einzelnen Schülerinnen und Schüler wird somit für die übrigen Schüler transparent. Dies hat folglich neben der Information über die zur Verfügung stehenden Helfer auch eine anspornende Wirkung.

Lerntempo-Duett

Die zweite Möglichkeit Oncoo einzusetzen,  ist das sogenannte Lerntempo-Duett auch. Zur Aktivierung  vergibt man auch hier wieder ein Passwort und die Schüler melden sich mit Ihrem Namen an. Dann arbeiten die Schülerinnen und Schüler zunächst in einer Einzelarbeitsphase. Nachdem Sie diese abgeschlossen haben, machen Sie dieses durch das Drücken eine entsprechenden Buttons deutlich. Im Anschluss werden dann vom Programm, die Schülerinnen zu entsprechenden Duetts nach der Reihenfolge der Fertigstellung zusammengeführt. In diesem Zusammenhang ist auch wieder eine Informationsphase in Einzelarbeit zu einem Thema wie z.B. der DSGVO denkbar und dann tauschen sich die Zweierteams über die erarbeiteten Inhalte anhand einer neuen Fragestellung aus. Daran kann sich dann wiederum eine Plenumsrunde zur Ergebnispräsentation bzw.  -diskussion oder eine neue Einzelarbeitsphase zur Vertiefung anschließen.

Placemat

Das Placemat, wie man es kennt ist ein Plakat,  in dessen Mitte die Leitfrage steht, die auf die  Aufgabeabzielt mit der die Schülerinne und Schüler sich auseinandersetzen sollen. Auf jeder Seite des Plakat hatte jedes Gruppenmitglied die Möglichkeit zunächst die eigene Lösung zu notieren.  In der nächsten Phase gehen die einzelnen Gruppenmitglieder um dieses Plakat herum und ergänzen die Lösungen von den anderen, beziehungsweise ergänzen Fragen dazu oder Anmerkungen. Beim Einsatz von Oncoo bietet ein Placemat analog hierzu den Schülerinnen und Schülern in der Think- Phase die Möglichkeit zunächst ihre Ergebnisse zu notieren und diese dann digital abzuschicken. Anschließend tauschen sie sich geleitet mit verschiedenen Gruppenmitgliedern aus.  Der Vorteil das die Ergebnisse digital vorliegen liegt u.a. darin, dass man Ergebnisse auch direkt den Beamer im Plenum diskutieren und das eben keine Möglichkeit besteht in der Think Phase von z.B. dem Sitznachbarn oder auf dem Plakat die Ergebnisse der gegenüber liegenden Seite  abzuschreiben. Die Schülerinnen und Schüler sind so eher einmal gezwungen sich selbst Gedanken an dieser Stelle zu machen.  Dieser Vorteil ergibt sich dadurch, dass die Think Phase erst dann beendet wird, wenn der Schüler wirklich seine Ergebnisse digital abgegeben hat und erst nach dem Abschluss dieser Phase kann man auch auf die Ergebnisse der anderen Gruppenmitglieder zugreifen. Natürlich kann man die digitalen Ergebnisse auch nachher sichern und in der Folgestunde oder im späteren Verlauf weiter nutzen.

Kartenabfrage

Die Kartenabfrage benutzen wir persönlich sehr gerne, da sie eben sehr einfach und intuitiv ist. Als Lehrer oder als Trainer legt man einfach auch wieder einen entsprechenden Bereich fest,  veröffentliche den zugehörigen QR-Code und die Schüler können Karten zu einem bestimmt Themengebiete bzw. einer bestimmten Fragestellung online einreichen. Man sieht sofort über die Projektionsfläche des Beamer bzw. des Lehrermonitors, welche Beiträge eingegangen sind und wer sie verfasst hat. So lassen sie sich direkt entweder nach bestimmten Kategorien clustern. Natürlich lassen sich so auch sehr schön im Rahmen einer Diskussion die Pro- und Kontra-Argumente sammeln und direkt gegen überstellen. Weitere Möglichkeiten bietet einem diese Form im Hinblick auf die Aktivierung von Vorwissen, in dem man die eingereichten Kartenbeiträge nochmal strukturiert oder aber man nutzt die Karten zum Einholen eines Feedbacks in der Form von Lob, Kritik oder Verbesserungsvorschlägen im Bezug auf den Stundenverlauf oder den eigenen Lernprozess. Dieses Toolbietet einem eine ganze Menge von Möglichkeiten für den unterrichtlichen Einsatz. Das gilt auch oder gerade für eher offenen Stundenausrichtungen. Wie schon gesagt lassen sich Beiträge so sehr gut  clustern und mit entsprechenden strukturierenden Überschriften versehen. Ferner liegt ein weiterer Vorteil sicherlich darin, dass  die Ergebnisse direkt abgespeichert werden können und so auch in einer weitere Stunde sehr einfach wieder aufgerufen und dargestellt werden können.

Zielscheibe

Zu unserem Lieblingstool kommen wir nun. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Zielscheibe.  Sie bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit auf einer Punkteskala von 1 – 10 von 1 eher schlecht bis 10 – ich bin komplett zufrieden, anzugeben wie die Bewertung eines Prozesses, eines Ergebnisses einer Situation oder auch einer Unterrichtssequenz ist. Die Zielscheibe hat vier verschiedene Bereiche: Oben, unten, links und rechts. Die Punkte sind von außen mit der Wertung von einem Punkt  bis nach innen mit 10 Punkten verteilt. Die Teilnehmer geben an wie sehr ihnen ein bestimmter Aspekt gefallen hat. Auch wenn man verschiedene Themenbereiche angesprochen kann man so sehr schön ein Feedback einholen und die Schülerinnen und Schüler zu einem Selbstreflexionsprozess anleiten. Hier könnten dann mögliche Antworten von „Ich habe heute gut mitgearbeitet“ bis „ich habe mich heute eher nicht beteiligt“ zur Auswahl stehen. Die Selbsteinschätzungen können dann wieder einen sinnstiftenden Anlass für eine Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern bzw. der Lerngruppe ggf. auch im Hinblick auf eine künftiger Verwertbarkeit des Erlernten bilden. 

Fazit

Fassen wir nochmal die fünf wichtigsten Aspekte für die Nutzung von Oncoo aus unserer Sicht zusammen:

  • Mit der Kartenabfrage kann ich wie bei Post its auch verschiedene Aspekte einfach sammeln und clustern.
  • Mit dem Helfer-System kann man erfassen,  wer von meinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern  bzw. von meinen Schülerinnen und Schülern arbeitet und wer bereits fertig ist und als Helfer von anderen Schülern angesprochen werden kann.
  • Das Lerntempo-Duett gibt ebenfalls Aufschluss darüber wer sich noch in der Einzelarbeitsphase befindet und wer sich bereits mit einem anderen zusammen sich im Team austauschen kann. Hier durch entsteht ein kompetitiver Charakter, der die Schülerinnen und Schüler anspornen soll. A
  • Im Rahmen des Placemates lässt sich mithilfe von Oncoo sehr gut eine Unterteilung der Think-, der Pair- und der Share Phase vornehmen. Die Schülerinnen und Schüler können in der Think-Phase eben noch nicht auf die Ergebnisse der anderen zugreifen und in der Pair- und der Share-Phase kann eben auf die digital zentral gesammelten einzelnen Beiträge als Gruppenergebnis zugegriffen werden.
  • Die Zielscheibe mit Ihrer Skala von 1 bis 10 eignet sich hervorragend für Selbstreflexionen und zum Einholen von  Feedback.
  • Sehr vorteilhaft bei Oncoo ist die Leiste am oberen Bildrand auf der der Link bzw. der QR- Code angegeben wird, so dass die Schülerinnen und Schüler stets sehr einfach auf die entsprechende Seite auch mit dem Handy zugreifen können.
  • Oncoo ist  übersichtlich und intuitiv zu nutzen.
  • Durch die Absicherung einer Session mittels eines Passworts und das DSVGO konforme Angebot über einen in Deutschland gehosteten Server ist Oncoo sehr gut im Unterricht einsetzbar.
  • Ferner ist das Angebot kostenfrei.

Auch dieses Mal findet weitere Informationen auf unserem Upspeak-Kanal und auf Instagram. Gerne verlinken wir Erfahrungsbericht zur Nutzung an dieser Stelle bzw. auf Instagram oder Twitter und tragen so zur kollaborativen Weiterentwicklung von digitalen Unterrichtsideen weiter.

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