Lernen mit und über digitale Medien

#7 Seven-Hat-Methode

In diesem Beitrag steht eine Methode zur Ideenfindung im Mittelpunkt. Ausgehend von der Six-Hat-Methode (1996) von Edward de Bono wird eine entsprechende Modifikation vorgestellt, die aus unserer Sicht insbesondere für die unterrichtliche Nutzung von Vorteil ist. Nachdem im Folgenden zunächst der Ursprung und die Funktionsweise der traditionellen Six-Hat-Methode als Kreativtechnik skizziert wird, wird im Anschluss die Modifikation vorgestellt sowie die Bedeutung für den Lernzuwachs und der Sinn des unterrichtlichen Einsatzes thematisiert. Abschließend wird dann noch ein Bezug zur digitalen Welt hergestellt.

Ursprung
Im Rahmen von Ideenfindungsprozessen in Teams ist häufig das Phänomen zu beobachten, dass bei der Auswahl von Ideen aufgrund von sich entgegenstehenden persönlichen Meinungen und Befindlichkeiten die Diskussion um Ideen nicht voran kommt und eine Lösung erzielt wird. Vor dem Hintergrund dieses Problems hat Edward de Bono seine Six-Hat-Methode entwickelt, in der zur Lösung dieses Problems zur Bewertung einer Idee diese aus zuvor eindeutig identifizierten Perspektiven beleuchtet wird. So wird vermieden, dass eine Lösungsfindung aufgrund von Argumenten, die aus verschiedenen Perspektiven stammen blockiert wird.

Funktionsweise
Wenn ein Ideenfindungsprozesse mithilfe der Six-Hat-Methode initiiert werden soll gibt es ein klar definiertes Vorgehen, welches vom Moderator des Prozesses zunächst entsprechend vorgestellt wird.

Phase 1 – Vorstellung der Fragestellung durch den Moderator
Zu Beginn stellt der Moderator die Problem- bzw. Fragestellung vor, um die es im Folgenden gehensoll. Es geht hierbei darum eine möglichst offene Fragestellung zu finden, die möglichst viele Ansatzmöglickeiten für Ideen bietet.

Phase 2 – Vorstellung der Hutfarben und deren Bedeutung durch den Moderator
An dieser Stelle geht es darum die Teammitglieder über den Ablauf des Iddeenfindungsprozess zu informieren und die entsprechende Motivation für das Einnehmen der verschiedenen Perspektiven zu schaffen. In diesem Zusammenhang ist eine überspitzte schauspielerische Darstellung der verschiedenen Perspektiven und zu Hilfenahme des jeweiligen Hutes durchaus für den späteren Prozess von Vorteil.
In der Runde mit dem weißen Hut geht es um eine objektive Perspektive. In dieser Runde stehen Fakten, nachweisbare Zahlen und Tatsachen im Mittelpunkt und sollten für die Begründung einer Idee angeführt werden.
Der rote Hut steht für subjektive Meinungen. In dieser Runde sollte jedes Teammitglied seine persönliche Meinung vertreten. Der schwarze Hut steht für Pessimismus. In dieser Runde gilt es Bedenken, Einschränkungen und Verhinderungsgründe zu benennen. Wenn der gelbe Hut aufgesetzt wird geht es um optimistische Einschätzungen bzw. Treiber die positiv auf die Idee sich auswirken. In der Runde mit dem grünen Hut geht es um Innovationen, die eingebracht werden.
Wenn der blaue Hut aufgesetzt wird begibt man sich auf die Metaebene und betrachtet, die bisherigen Beiträge in den jeweiligen Perspektiven und wägt diese gegeneinander ab. Diese Rolle übernimmt häufig wieder der Moderator.
Der von uns ergänzte lila Hut wird dann aufgesetzt, wenn man vor dem Hintergrund der vorliegenden neuen Informationen, Meinungen und Innovationen, also der zuvor einzeln aufgeführten verschiedenen Perspektiven nun nochmal seine eigenen Standpunkt darlegt.

Phase 3 Sammlung von Ideen und Argumenten aus der gleichen Perspektive (gleicher Hut)
In der Phase in der nun die entsprechenden Argumente zur Fragestellung gesammelt werden, tragen immer alle Teammitglieder den gleichen Hut; d.h. sie beleuchten die Frage aus der gleichen Perspektive. Der Wechsel erfolgt in einer festen vorher festgelegten Reihenfolge. I.d.R. wird mit dem weißen Hut begonnen, da hier noch keine persönlichen Meinungen offenbart werden und so auch zurückhaltendere Typen sich an der Diskussion einfacher beteiligen können. Es folgen dann die Runde mit dem roten und anschließend die mit dem schwarzen Hut, da auch dies eher Beiträge sind, die einfach beigesteuert werden können. Zum Ende widmet man sich dann den positiven und innovativen Beiträgen.

Phase 4 – Im Anschluss kommt es zu einer Runde mit dem blauen Hut, in der die Argumente gegeneinder aufgewogen werden und die in der jeweiligen Perspektive stehen bleiben, die kein Gegenargument haben, so kommt man dannabschließend zu einer begründeten Auswahlentscheidung.

Phase 5Begründung einer eigenen Position
In der Runde mit dem ergänzten 7. lilafarbenden Hut kann jeder nochmal eine eigenes begründetes Statement vor dem Hintergrund des zuvor gehörten abgeben.

Lernzuwachs und Sinn der Methode
Die vorgestellte Methode bietet den Schülerinnen und Schülern bzw. den Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer eine Möglichkeit komplexe Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und entsprechende mehrdimensionale Lösungswege zu entwickeln. Ferner trägt die Methode zu einem grundsätzlichen Verständnis zu einer Kommunikation auf verschiedenen Ebenen bei. Die Schülerinnen und Schüler lernen so im Rahmen von Diskussionen verschiedene Perspektiven zu eröffnen und so differziertere Diskussionsbeiträge zu entwickeln.

Bezug zur digitalen Welt
Schnelllebigkeit und Wandel als Kennzeichen der digitalen Welt erfordern Instrumente für einen reflektierten Umgang bzw. zu einer effizienten Entwicklung von Lösungsstrategien, wozu die vorgestellte Methode beitragen kann. Ferner bedarf es von Strategien zum Umgang mit exponentiell wachsenden Informationen in der digitalen Welt, diese können mit Hilfe der Six- bzw. Seven-Hat-Methode sehr gut entwickelt werden, da sie Raum für Ideen, aber auch für kritische Ansätze bietet. Nicht zuletzt kann die Beherrschung dieser Methode als Unterstützungsinstrument zur Kommunikationskompetenz als Schlüsselkompetenz für reflektierte Beurteilung und Entwicklung von Lösungsstrategien ein erheblichen Beitrag leisten.

Unterrichtlicher Einsatz
Im Welt bzw. der Generierung und Verarbeitung von Informationen eingesetzt werden. Eine Übertragung in den Distanzunterricht kann z.B. durch den Einsatz von Breakout-Rooms in Videokonferenzen erfolgen. Hierbei wird ein jeweils ein Breakout-Room mit einer bestimmten Hutfarbe belegt und die Teilnehmer in diesem Raum diskutieren, dann aus der vorgegebenen Perspektive heraus. Nach vorher festgelegten Zeitfenstern wechseln die Teilnehmer den Breakout-RoomUnterricht lässt sich die Methode sowohl im Präsenz- wie im Distanzunterricht einsetzen. Zum einen kann sie im Präsenzunterricht in verschiedenen Gruppenarbeitsformen bis hin zu Design-Thinking-Prozessen wie auch im Plenum zur Entwicklung von innovativen Ideen zu Problemen der digitalens. In diesem Fall bietet es sich ggf. an einen festen Moderator für jeden Breakout-Room im Vorfeld festzulegen, der über die gesamte Zeit dort verbleibt und so den Überblick dort über die Beiträge behält. Der Vorteil liegt im Distanzunterricht dann darin, dass auf diese Weise eine größere Anzahl von Teilnehmern aktiv in die Diskussion eingebunden werden können und so auch die ggf. die Zurückhaltung einzelner Teilnehmer sich abbauen lässt.
Es lohnt sich die Methode einmal selbst auszuprobieren.

Für entsprechende Erfahrungsberichte als Kommentar oder Email sind wir immer dankbar.

Weitere Informationen zur Seven-Hat-Methode gibt auch auf Upspeak oder Instagram.

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