Offene Lernräume

Wer lernt probiert Neues aus und macht Fehler. Dafür sollte es in Schule und auch an anderen Orten wo gelernt wird Raum geben. Im Mittelpunkt des heutigen Beitrags soll es genau darum gehen um die Schaffung offener Lernräume.

Hierzu wollen wir zunächst unser Verständnis von offenen Lernräumen einmal kurz skizzieren. Ein Lernraum ist zunächst einmal ein Platz an dem örtlich gelernt wird. Das kann zu Hause, in der Schule und im Betrieb aber auch im öffentlichen Raum sein. Der Lernraum wird in der heutigen Zeit aber auch zunehmend über das genutzte Medium definiert. Bewegen wir uns in der realen Welt, nutzen wir analoge Medien oder lernen wir mithilfe von digitalen Medien bzw. eventuell sogar in einer virtuellen Umgebung. Der Lernraum wird aber auch durch die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel geprägt. Sitzen die Lernenden z.B. in einem klassischen Klassenraum mit Sitzreihen oder in U-Form oder wird in einem Workshop Raum mit Pinnwänden,  Gruppenarbeitstischen, Stehtischen, Lerninseln etc. gelernt. Alle genannten Rahmenbedingungen tragen zur Strukturierung eines Lernprozesses ist und damit zur Offenheit des Lernraums bei.  Aber für die Offenheit des Lernraums ist auch eine grundsätzliche Haltung  des Lernens maßgeblich. Man kann in diesem Zusammenhang auch von einer Philosophie des Lernens sprechen.  Für einen Offenen Lernraum ist aus unserer Sicht die Förderung eines miteinander Lernens (Kollaboration), eine offene Fehlerkultur aber auch eine kooperative Grundstimmung kennzeichnend.

Eine Möglichkeit einen offenen Lernraum zu gestalten ist aus unserer Sicht die Durchführung eines Podcast-Projekts. Das Thema Podcasts hatten wir ja in einem früheren Beitrag schon einmal thematisiert und möchten dieses an dieser Stelle nun ein wenig konkretisieren und einen Einblick geben, wie ein Podcast-Projekt in der Schule ablaufen kann. Bislang haben wir Podcasts immer als Abschluss einer Unterrichtsreihe eingesetzt. Ein Grund dafür liegt darin, dass dann Fachinhalte bereits erlernt sind, so dass sich die Lernenden auf die Planung und die Umsetzung des Podcast konzentrieren konnten.  Das Fachwissen zum Beispiel zum Thema Wirtschaftsordnung wurde bereits im Vorfeld von den Lernenden erarbeitet. Ausgangspunkt für die Erstellung des Podcasts war dann ein relativ offenes Setting. Ausgehend von einen kurzen Film über das Leben von Ludwig Erhard erhielten die Lernenden dann als Arbeitsauftrag zunächst  ein Thema für den eigenen Podcast zu formulieren. Kleine Filmausschnitte mit speziellen Themen, die in dem Film angesprochen wurden, bildeten den Ausgangspunkt. Man kann auch sagen, dass wir den Film als kleinen Teaser bzw. kleinen Anstoß zur Generierung der Podcast-Ideen durch die Schüler genommen haben, damit der Podcast wirklich konkret eine Frage beantwortet und damit auch zielgerichtet war. Folglich war immer eine konkrete Frage das  ist hab Thema eines Podcasts. Zu dieser Frage haben die Schüler dann in Zweierteams die entsprechenden Inhalte recherchiert und strukturiert. Anschließend wurde das Format des Podcasts festgelegt. Werden die Inhalte in der Form eines Monologs, eines Dialogs oder vielleicht einer Befragung von Freunden oder Verwandten oder Passanten auf der Straße oder eventuell ein Interview transportiert. Im Anschluss ging es an die konkrete Umsetzung. Der Podcast wurde aufgenommen und eventuell in Audacity noch nachbearbeitet. Es wurden ein Jingle als Intro davor und ein Outro angefügt und die Lautstärke angepasst. Anschließend gab es eine Ergebnispräsentation, in der die verschiedenen Podcast vorgestellt wurden. Die Lernenden sollten sich gegenseitig Feedback geben und anschließend ihre Podcasts entsprechend nochmal überarbeiten.

Worin lag nun der Mehrwert für die Lernenden einen eigenen Podcast zu erstellen. Die Lernenden mussten im Rahmen des Erstellungsprozesses eigene echte und auch vielschichtige Entscheidungen zum Inhalt und Aufbau ihres Podcasts treffen. Sie mussten Aufgaben im Team Aufgaben verteilen und Rollen übernehmen. Auf Basis dieser Projektstruktur entstand dann für die Lernenden eine gewisse Verbindlichkeit für Ihre Zusagen gegenüber die anderen, an die sie sich auch gebunden fühlten. Darüber hinaus  mussten die Lernenden zuverlässig sein, kreativ Ideen zur Podcast-Gestaltung entwickeln und diese dann auch entsprechend umsetzten.  Ferner entwickelten sie bei Aufnahme des Podcasts eine zunehmende Sicherheit im Umgang mit der Technik. In der Phase der Präsentation  mussten sie sich dann überwinden das Ergebnis den anderen vorzuspielen und dann natürlich auch konstruktiv das Feedback einzuholen sowie es anzunehmen.  Folglich wurde an dieser Stelle auf der Basis des erstellten Produktes Podcast eine echte Fehlerkultur etabliert, die ein konstruktives Arbeiten an den eigenen Ergebnissen ermöglicht. Die Lernenden können so reflektieren wie ist mein Produkt angekommen und inwieweit muss ich es eventuell noch verbessern. Podcasts sind insofern ein gutes Setting für einen offenen Lernraum, in dem eben eigenverantwortlich gelernt werden kann, planerisches Zweckdenken abgerufen sowie Kooperationsfähigkeit und Kreativität geschult werden. Und nicht zuletzt wird auch die Reflexionsfähigkeit für das eigenen Handeln mit diesem Setting gefördert.

In Zukunft werden wir Euch hier, auf Instagram sowie auf unserem Upspeak- und Youtube-Kanal noch weitere Ideen bzw. Erfahrungsberichte bereitstellen, in welcher Form offene Lernräume gestaltet werden können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.